Lehrer / Lehrerin werden 2026 – Schularten, Gehalt, Laufbahn und Quereinstieg
Der Lehrberuf zählt zu den wichtigsten und bekanntesten Beamtenlaufbahnen in Deutschland. Rund 800.000 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen — von der Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe, von der Förderschule bis zur Berufsschule für technische Berufe.
Auf dieser Seite erfährst du alles Wichtige: Welche Schularten es gibt, welche Voraussetzungen du brauchst, was du verdienst — und wo ein Quereinstieg aus der Wirtschaft besonders gut funktioniert.
Schularten & Berufsbild
„Lehrer“ ist kein einheitlicher Beruf — die Laufbahn hängt stark von der Schulart ab. Je nach Schulform unterscheiden sich Studium, Besoldung, Einstiegsvoraussetzungen und die Möglichkeit zum Quereinstieg erheblich. Die folgende Übersicht zeigt alle relevanten Schularten.
Klassenlehrerprinzip, Klassen 1–4. Breites Fächerspektrum, enger Kontakt zu Eltern und Kindern.
Klassen 5–10, Fachunterricht in 2–3 Fächern. Praxis- und berufsvorbereitende Ausrichtung.
Klassen 5–12/13, Abitur. Fachlich anspruchsvoll, Unterricht in der Regel 2 Fächer.
Duale Ausbildung + Fachtheorie. Ingenieure, Handwerksmeister und Techniker mit Berufserfahrung besonders gesucht.
BWL, Rechnungswesen, Wirtschaft. Kaufleute, Betriebswirte und Banker mit Praxiserfahrung werden als Quereinsteiger gesucht.
Unterricht für Kinder mit Förderbedarf (Lernen, Sprache, Verhalten, körperl. Beeinträchtigungen). Hohe gesellschaftliche Bedeutung.
Hinweis: Die genauen Bezeichnungen der Schularten, die Besoldungsgruppen beim Einstieg und die Strukturen der Studiengänge variieren je nach Bundesland. In einigen Ländern (z.B. Bayern, Baden-Württemberg) gibt es eigene Lehrämter; andere Länder haben Schulformen zusammengelegt.
Voraussetzungen & Studium
Der klassische Weg ins Lehramt führt über ein Lehramtsstudium und anschließendes Referendariat. Je nach Schulart dauert dieser Weg 5–7 Jahre. Für Quereinsteiger gibt es gesonderte Programme — dazu mehr in Block 6.
- Abitur oder Fachhochschulreife
- Bachelor + Master Lehramt (6–8 Semester)
- Referendariat (18 Monate)
- Erstes und Zweites Staatsexamen
- Deutsche Staatsangehörigkeit (Ausnahmen möglich)
- Abitur (Notendurchschnitt je nach Fach)
- Master of Education oder Staatsexamen (9–10 Semester)
- Referendariat (18–24 Monate)
- Zweites Staatsexamen
- Zwei Unterrichtsfächer
- Abitur oder FH-Reife + Studium Berufspädagogik
- Master of Education Berufsbildung (9–10 Semester)
- Referendariat (18 Monate)
- Oder: Quereinstieg mit Berufsabschluss + Praxis (s. Block 6)
- Abitur
- Master Sonderpädagogik (9–10 Semester)
- Zwei sonderpäd. Fachrichtungen + ein Unterrichtsfach
- Referendariat (18–24 Monate)
- Empathie und psychische Belastbarkeit
Die Einstellung läuft über die Schulbehörden der Bundesländer (z.B. Kultusministerium, Regierungspräsidien). Einstellungstermine sind in der Regel zum 1. Februar und 1. August. Bewerber können Wunschregionen angeben; die Zuteilung erfolgt je nach Bedarf und Notendurchschnitt im Zweiten Staatsexamen.
Besoldung & Gehalt 2026
Das Gehalt von Lehrerinnen und Lehrern richtet sich nach der Besoldungsordnung des jeweiligen Bundeslandes. Mit der Besoldungsrunde 2026 steigen die Gehälter um +2,8 % ab April 2026 in den meisten Bundesländern.
Die Besoldungsgruppe hängt von der Schulart ab. Während Gymnasium und Berufsschule bundesweit einheitlich mit A13 besoldet werden, ist die Grundschulbesoldung derzeit im Wandel: Viele Bundesländer befinden sich in einem Stufenplan von A12 nach A13 — einige haben diesen Schritt bereits vollzogen, andere noch nicht.
Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen
NRW (A13 ab Aug. 2026), Bayern (A13 ab 2028), Hessen (A13 ab 2028), Sachsen-Anhalt (schrittweise)
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland — noch kein beschlossener Wechsel auf A13.
| Besoldungsgruppe | Schulart / Verwendung | Stufe 1 (Brutto, ca.) | Endstufe (Brutto, ca.) |
|---|---|---|---|
| A12 | Grundschule / Realschule in BW, RLP, Saarland (Gruppe C) — sowie Übergangsstufe in Gruppe-B-Ländern | ca. 3.700 € | ca. 4.600 € |
| A13 | Grundschule / Realschule (Gruppe-A-Länder), Gymnasium bundesweit, Berufsschule bundesweit, Sonderpädagogik | ca. 4.300 – 4.700 €* | ca. 5.200 – 5.600 €* |
| A14 | Beförderungsstelle Gymnasium / Sonderpädagogik, Fachbereichsleitung | ca. 4.700 € | ca. 5.700 € |
| A15 | Studiendirektor/-in, stellvertretende Schulleitung | ca. 5.200 € | ca. 6.200 € |
| A16 | Schulleitung größerer Schulen (je nach Bundesland) | ca. 5.600 € | ca. 6.700 € |
* Hinweis A13: Die Euro-Beträge der Stufe A13 variieren je nach Bundesland — sie liegen beim Einstieg zwischen ca. 4.300 € (niedrige Besoldungsländer) und ca. 4.700 € (z.B. Bayern, Hamburg). Für genaue Werte nutze den Rechner deines Bundeslandes. Angestellte Lehrkräfte erhalten analog E12 (in A12-Ländern) oder E13 (in A13-Ländern) nach TV-L.
Laufbahn & Aufstieg
Die Lehrerlaufbahn ist klar gegliedert — der Stufenaufstieg erfolgt automatisch nach Dienstjahren, während Beförderungen in Funktionsstellen (Fachbereichsleitung, Schulleitung) von Leistung und Eignung abhängen.
Beispiel: In Baden-Württemberg steigen Gymnasiallehrer in A13 ein und können nach ca. 4–6 Jahren eine Beförderungsstelle (A14) erhalten. Schulleitungsstellen werden öffentlich ausgeschrieben.
6–10 Semester je nach Schulart und Bundesland. Erstes Staatsexamen oder Master of Education als Abschluss. Kein Gehalt, aber BAföG oder Stipendien möglich.
18–24 Monate an Schule + Studienseminar. Anwärterbezüge je nach Bundesland ca. 1.400–1.600 € netto. Abschluss mit dem Zweiten Staatsexamen.
Nach der Probezeit (ca. 2–3 Jahre) erfolgt die Verbeamtung auf Lebenszeit. Der Stufenaufstieg innerhalb der Besoldungsgruppe erfolgt automatisch alle 2–3 Jahre.
Übernahme von Funktionsaufgaben: Fachbetreuung, Koordination, Beratungslehrertätigkeit. Besoldungsgruppe steigt entsprechend.
Stellvertretende Schulleitung (A15) oder Schulleiterstellen (A15/A16) werden öffentlich ausgeschrieben. Erreichbar nach herausragenden Beurteilungen und Führungserfahrung.
Tipp: Die genauen Beförderungsvoraussetzungen und Wartezeiten sind je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Informiere dich direkt beim zuständigen Kultusministerium oder Staatlichen Schulamt über die Bedingungen in deiner Region.
Weitere Beamtenberufe im Vergleich
Andere Laufbahnen im öffentlichen Dienst, die dich interessieren könnten:
Quereinstieg in den Lehrberuf
Der Lehrberuf ist eines der wenigen Beamtenfelder, in dem Quereinstiege aus der Wirtschaft strukturell und in großem Umfang stattfinden — besonders an Berufsschulen. Der Fachkräftemangel hat dazu geführt, dass viele Bundesländer aktiv Fachleute aus der Praxis werben. Auch allgemeinbildende Schulen öffnen sich zunehmend für Seiteneinsteiger.
- Struktureller Lehrermangel in fast allen Bundesländern — besonders MINT, Technik, Pflege, IT, Wirtschaft
- Praxiswissen aus der Industrie ist an Berufsschulen ausdrücklich erwünscht
- Verbeamtung nach einer Bewährungszeit häufig möglich
- Attraktive Work-Life-Balance (Ferien, Planbarkeit) im Vergleich zur Wirtschaft
- Langfristige Einkommenssicherheit durch Beamtenstatus
Ingenieure, Techniker, Meister aus Elektrotechnik, Maschinenbau, IT, Bau, KFZ, Mechatronik — werden als Quereinsteiger aktiv gesucht.
Banker, Kaufleute, Betriebswirte, Controller, Steuerberater — mit Berufserfahrung und Hochschulabschluss möglich.
Akademiker mit Masterabschluss in einem Mangelfach (Mathematik, Physik, Informatik, Musik) können in einigen Ländern direkt einsteigen.
Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten, Erzieher mit Berufserfahrung können an Berufsschulen für Gesundheitsberufe einsteigen.
Welche Qualifikation aus der Wirtschaft passt wohin?
| Qualifikation / Beruf aus der Wirtschaft | Passende Schulart | Quereinstieg-Chance |
|---|---|---|
| Ingenieur (E-Technik, Maschinenbau, IT, Bau) | Berufsschule gewerblich-technisch | ★★★ Sehr gut |
| Meister / Techniker (Handwerk, Industrie) | Berufsschule gewerblich-technisch | ★★★ Sehr gut |
| Banker / Kaufmann / BWL-Absolvent | Berufsschule kaufmännisch | ★★★ Sehr gut |
| Informatiker / Software-Entwickler | Berufsschule IT / allgemeinbildend (Informatik) | ★★★ Sehr gut |
| Mathematiker / Physiker / Chemiker (Master) | Gymnasium (Seiteneinsteiger MINT) | ★★ Gut (je nach Land) |
| Pflegefachkraft / Physiotherapeut | Berufsschule Gesundheit & Pflege | ★★ Gut (je nach Land) |
| Jurist / Steuerberater / Wirtschaftsprüfer | Berufsschule kaufmännisch / Gymnasium | ★★ Eingeschränkt |
Hinweis: Die konkreten Quereinstiegsprogramme, Vergütungsmodelle und Verbeamtungsvoraussetzungen variieren erheblich zwischen den Bundesländern. Informiere dich direkt beim Kultusministerium deines Wunschlandes — viele Länder haben eigene Portale und Stellenbörsen für Quereinsteiger.
Lehrerbesoldung im Bundesländer-Vergleich
Ein reiner Bruttogehalts-Vergleich zwischen den Bundesländern greift zu kurz. Entscheidend sind zusätzlich die Grundschul-Eingangsbesoldung (A12 oder A13), die Familienzulage (besonders für Familien mit Kindern ein erheblicher Unterschied) sowie das Weihnachtsgeld. Die folgende Tabelle gibt dir den vollständigen Überblick über alle 16 Bundesländer.
| Bundesland | Grundschule | Gymnasium / Berufsschule |
Familien- zulage ▲ |
Quereinstieg- Programm |
Karriere |
|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | A12 | A13 | ●●●●○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Bayern | A12→13 * | A13 | ●●●●● | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Berlin | A13 | A13 | ●●○○○ | ✓ Aktiv gesucht | ↗ Infos |
| Brandenburg | A13 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Bremen | A13 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Hamburg | A13 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Hessen | A12→13 ** | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Mecklenburg-Vorpommern | A13 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Niedersachsen | A13 | A13 | ●●●●○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Nordrhein-Westfalen | A12→13 *** | A13 | ●●●●● | ✓ Aktiv gesucht | ↗ Infos |
| Rheinland-Pfalz | A12 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Saarland | A12 | A13 | ●●○○○ | ~ Eingeschränkt | ↗ Infos |
| Sachsen | A13 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Sachsen-Anhalt | A12→13 **** | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Schleswig-Holstein | A13 | A13 | ●●●○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
| Thüringen | A13 | A13 | ●●○○○ | ✓ Ja | ↗ Infos |
▲ Familienzulage-Skala (●●●●● bis ●○○○○) bewertet die Höhe des Kinderzuschlags relativ im Bundesländervergleich — insbesondere ab dem 3. Kind. Alle Angaben Richtwerte, Stand März 2026.
* Bayern: Stufenplan seit 2024. Aktuell A12 + Zulage, volle A13-Eingruppierung ab 2028.
** Hessen: Stufenplan seit 2023. 2026: 60 % der Differenz als Zulage, volle A13-Erreichung 2028.
*** NRW: A12 + Zulage 460 €. Gesetzliche Vollüberführung in A13 zum 1. August 2026.
**** Sachsen-Anhalt: Schrittweiser Übergang zu A13, genaue Zeitplanung beim Landesschulamt erfragen.
Gymnasium und Berufsschule: bundesweit einheitlich A13 — Euro-Beträge weichen je nach Land leicht ab. Alle Angaben Richtwerte, Stand März 2026.
Weihnachtsgeld (Jahressonderzahlung) — drei Systeme im Überblick
Am Jahresende ein sichtbarer Extra-Eingang:
- Bayern — 65–70 % eines Monatsgehalts + Kinderzuschläge (bundesweit am großzügigsten)
- Berlin — 900–1.550 € + 50 € je Kind
- Bremen — 710–1.500 € (nur Verbeamtung vor 2006)
- Mecklenburg-Vorp. — 29–40 % eines Monatsgehalts
- Niedersachsen — 500–1.200 € + starke Kinderzuschläge
- Sachsen-Anhalt — 400–600 € Festbetrag
- Schleswig-Holstein — 660 € + 400 € je Kind (bis A10)
Kein Extra-Eingang — stattdessen dauerhaft höheres Grundgehalt:
- Baden-Württemberg — +4,17 % auf Grundgehalt
- Brandenburg — integriert + 21 € monatl. Pauschale
- Hamburg — vollständig eingepreist
- Hessen — 5 % des Grundgehalts monatlich extra
- NRW — Hauptteil integriert, kleine Restbeträge
- Rheinland-Pfalz — seit 2009 integriert
- Bund — in Bundesbesoldung eingebaut
Das einzige Bundesland ohne jede Form von Weihnachtsgeld:
- Sachsen — ersatzlos gestrichen 2011. Neue monatliche Sonderzahlungen zur Einhaltung der verfassungsgemäßen Alimentation wurden eingeführt, ersetzen aber kein klassisches Weihnachtsgeld.
Trend 2026 — A13 für alle: Das historische Prinzip „kleine Kinder = kleineres Gehalt“ bricht bundesweit auf. Gewerkschaftlicher Druck (GEW, VBE) und anhaltender Lehrermangel treiben die Angleichung voran. Für Berufseinsteiger und Quereinsteiger bedeutet das: Schulart und Bundesland haben beim Grundgehalt immer weniger Einfluss — dafür spielen Weihnachtsgeld, Familienzulage und regionale Lebenshaltungskosten beim Vergleich eine umso größere Rolle.
