Berufe – Gerichtsvollzieher

Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin werden 2026

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Justiz & Rechtswesen  ·  Mittlerer Justizdienst (Laufbahngruppe 1)  ·  Besoldung A8 – A10

Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin werden 2026 — Ausbildung, Gehalt und Aufstieg

Der Beruf des Gerichtsvollziehers gehört zu den abwechslungsreichsten Tätigkeiten im Justizwesen. Bundesweit sind rund 4.500 Gerichtsvollzieher im Einsatz, um vollstreckbare Titel — von Unterhaltsurteilen bis zu Räumungstiteln — in die Praxis umzusetzen. Der Beruf vereint Büroarbeit mit Außendienst und erfordert ein hohes Maß an Kommunikationsgeschick, Durchsetzungsvermögen und psychischer Belastbarkeit.

Auf dieser Seite erfährst du alles Wichtige: Welche Voraussetzungen du mitbringen musst, was du verdienst, wie die Ausbildung abläuft — und ob ein Quereinstieg möglich ist.

Einstiegsbesoldung
A8
Aufstieg bis
A10
Mindestabschluss
Mittlere Reife
Dienstherr
Bundesland
Quereinstieg
Eingeschränkt möglich

Berufsbild & Alltag

Gerichtsvollzieher sind die ausführende Kraft der Rechtsprechung. Sie setzen zivilrechtliche Titel um, die von Gerichten erlassen wurden. Die Tätigkeit ist facettenreich: Kein Tag gleicht dem anderen. Von der Pfändung von Konten und Sachen über Wohnungsräumungen bis hin zur Zustellung von Schriftstücken — Gerichtsvollzieher bewegen sich täglich zwischen Büro, Gericht und draußen im Einsatz.

Sonderfall Baden-Württemberg: In BW ist der Gerichtsvollzieher im gehobenen Justizdienst angesiedelt. Der Einstieg erfolgt über ein 3-jähriges Bachelor-Studium (LL.B.) an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen — das Berufsbild ist dort vollständig akademisiert. In allen anderen Bundesländern gehört der Gerichtsvollzieher weiterhin zum mittleren Justizdienst.

Pfändung & Sicherung

Pfändung von Kontoguthaben, Fahrzeugen, Möbeln und anderen Vermögenswerten. Aufrechterhaltung der Pfändung durch regelmäßige Kontrollen.

Wohnungsräumung

Vollstreckung von Räumungstiteln. Organisation des Transports und der Einlagerung persönlicher Gegenstände. Hohe soziale Kompetenz gefordert.

Zustellung

Zustellung von Schriftstücken wie Klagen, Urteilen und Ladungen. Behördliche Zustellungen mit hoheitlichem Charakter.

Versteigerung

Öffentliche Versteigerung gepfändeter Gegenstände. Festsetzung des Mindestgebots, Leitung der Versteigerung.

Inkasso & Verhandlungen

Verhandlung mit Schuldnern über Ratenzahlungen. Vermeidung von Zwangsvollstreckung durch außergerichtliche Einigung.

Verwaltung & Büro

Schriftverkehr mit Gläubigern und Schuldnern. Führung von Vollstreckungsprotokollen. Aktenverwaltung und Fristüberwachung.

Was den Beruf auszeichnet: Hohe Eigenverantwortung und Selbstständigkeit im Außendienst, abwechslungsreiche Tätigkeit zwischen Büro und Einsatz draußen, kein Schichtdienst (i.d.R. reguläre Arbeitszeiten mit Ausnahmen bei dringenden Vollstreckungen). Der Beruf erfordert psychische Belastbarkeit im Umgang mit schwierigen Situationen und Menschen in finanziellen Krisen.

Voraussetzungen & Ausbildung

Um Gerichtsvollzieher zu werden, musst du dich zunächst erfolgreich für die Ausbildung bewerben. In den meisten Bundesländern ist die Ausbildung eine beamtenrechtliche Laufbahnausbildung im mittleren Justizdienst (2 Jahre). Ausnahme: Baden-Württemberg — dort ist das Berufsbild vollständig akademisiert (3-jähriges Bachelor-Studium, LL.B., gehobener Dienst).

Mittlerer Dienst (Standard)

In allen Bundesländern außer Baden-Württemberg:

  • Mittlerer Schulabschluss (Realschule)
  • Deutsche Staatsangehörigkeit oder EU-Bürgerschaft
  • Höchstalter je nach Bundesland: 30–40 Jahre
  • Führerschein Klasse B
  • Einwandfreies Führungszeugnis
  • Amtsärztliche Untersuchung
  • Duale Ausbildung: 2 Jahre
  • Anwärterbezüge ca. 1.400–1.500 € netto
Einstieg nach Ausbildung: A8 — Aufstieg bis A10
Baden-Württemberg (Sonderweg)

Vollakademisierter Studiengang, gehobener Dienst:

  • Abitur oder Fachhochschulreife
  • Deutsche Staatsangehörigkeit
  • Höchstalter: ca. 35–40 Jahre
  • 3-jähriges Bachelor-Studium (LL.B.)
  • Hochschule für Rechtspflege Schwetzingen
  • Studienvergütung: Anwärterbezüge
  • Abschluss: Bachelor of Laws
Einstieg: A10 — Aufstieg bis A11/A12
Persönliche Anforderungen
  • Sicheres Auftreten und Durchsetzungsvermögen
  • Kontaktfreude und Kommunikationsstärke
  • Psychische Belastbarkeit
  • Stressresistenz im Umgang mit Konflikten
  • Selbstständige Arbeitsweise
  • Organisationstalent
  • Gute körperliche Konstitution

Bewerbungshinweis: Bewerbung erfolgt über die jeweilige Landesjustizverwaltung oder direkt beim Amtsgericht. In BW: Bewerbung für das Bachelor-Studium an der Hochschule für Rechtspflege Schwetzingen. Einstellungstermine variieren je nach Bundesland.

Besoldung & Gehalt 2026

Das Gehalt von Gerichtsvollziehern richtet sich nach der Besoldungsordnung A des jeweiligen Bundeslandes. Mit der Besoldungsrunde 2026 steigen die Gehälter um +2,8 % ab April 2026 in den meisten Bundesländern. Gerichtsvollzieher erhalten zusätzlich eine Stellenzulage und anteilige Vollstreckungsvergütungen — das tatsächliche Einkommen liegt oft spürbar über dem vergleichbarer Justizbeamter.

Sonderfall Baden-Württemberg: Durch das Bachelor-Studium (LL.B.) starten Gerichtsvollzieher in BW im gehobenen Dienst bei A10 und können bis A11/A12 aufsteigen — deutlich höher als in anderen Bundesländern.

Besoldungsgruppe Typische Verwendung Stufe 1 (Brutto, ca.) Endstufe (Brutto, ca.)
A8 Gerichtsvollzieher — mittlerer Dienst (andere Bundesländer) ca. 2.900 € ca. 3.500 €
A9 Obergerichtsvollzieher (Regelbeförderungsamt) ca. 3.100 € ca. 3.750 €
A9 + Zulage Obergerichtsvollzieher mit Amtszulage (Spitzenamt) ca. 3.300 € ca. 4.000 €
A10 Hauptgerichtsvollzieher (höchste Stufe mD) / Einstieg BW (gD) ca. 3.500 € ca. 4.300 €
A10 (BW gD) Einstieg gehobener Dienst Baden-Württemberg ca. 3.800 € ca. 4.600 €
A11 Aufstieg in BW (gehobener Dienst) ca. 4.000 € ca. 4.900 €
A12 Spitze gehobener Dienst BW ca. 4.400 € ca. 5.400 €

Alle Werte sind Richtwerte auf Basis der Besoldungstabellen 2026 (nach +2,8 % ab April 2026). Zusätzlich: Stellenzulage (100–150 €), anteilige Vollstreckungsvergütungen und Bürokostenpauschale.

Gerichtsvollzieherzulage: Zusätzlich zum Grundgehalt erhalten Gerichtsvollzieher eine Stellenzulage (ca. 100–150 € monatlich 2026) als Ausgleich für besondere Belastungen im Außendienst. Zudem erhalten sie anteilige Vollstreckungsvergütungen und eine Bürokostenpauschale — das tatsächliche Einkommen liegt oft spürbar über dem vergleichbarer Justizbeamter.

PKV-Hinweis: Gerichtsvollzieher benötigen eine private Krankenversicherung (PKV) plus Beihilfe des Dienstherrn (50–70 % der Kosten). Berücksichtige die PKV-Kosten bei deinem Gehaltsvergleich.

Laufbahn & Aufstieg

Gerichtsvollzieher gehören in den meisten Bundesländern zur Laufbahngruppe des mittleren Justizdienstes. Da sie eine zusätzliche Sonderausbildung absolvieren, starten sie höher als die klassische Serviceeinheit im Gericht. Ausnahme: Baden-Württemberg — dort ist der Beruf vollständig akademisiert und gehört zum gehobenen Justizdienst. Der Stufenaufstieg innerhalb einer Besoldungsgruppe erfolgt automatisch nach Dienstjahren, während Beförderungen von Leistung, Eignung und freien Planstellen abhängen.

BW-Sonderweg: In Baden-Württemberg starten Gerichtsvollzieher mit einem Bachelor-Studium (LL.B.) direkt im gehobenen Dienst bei A10. Der Aufstieg ist bis A11/A12 möglich — finanziell die beste Position deutschlandweit für diesen Beruf.

Ausbildung
Gerichtsvollzieheranwärter/-in

Standard (andere BL): 2 Jahre duale Ausbildung an der Justizvollzugsschule, inkl. Sonderausbildung für Außendienst. Anwärterbezüge ca. 1.400–1.500 € netto.
BW: 3-jähriges Bachelor-Studium (LL.B.) an der Hochschule für Rechtspflege Schwetzingen.

Nach der Ausbildung
Verbeamtung auf Probe → Lebenszeit

Andere BL: Einstieg in A8 — höher als klassische Justizbeamte im Innendienst.
BW: Einstieg in A10 (gehobener Dienst). Stufenaufstieg automatisch alle 2–3 Jahre.

Nach ca. 3–5 Jahren
Obergerichtsvollzieher (A9)

Das Regelbeförderungsamt. Beförderungen erfolgen nach Eignung und freien Planstellen. Mit der A9-Einstufung steigt das Grundgehalt spürbar.

Nach ca. 8–12 Jahren
Hauptgerichtsvollzieher (A10) / BW: A11–A12

Andere BL: A10 ist die höchste Stufe im Außendienst.
BW: Aufstieg bis A11 und A12 möglich — höchste finanzielle Position bundesweit für Gerichtsvollzieher.

Besonderheit der Gerichtsvollzieher-Besoldung: Zusätzlich zur A-Besoldung erhalten Gerichtsvollzieher eine Stellenzulage (ca. 100–150 € monatlich) sowie anteilige Vollstreckungsvergütungen. Zudem gibt es eine Bürokostenpauschale zur Deckung der privaten Bürokosten. Das tatsächliche Einkommen liegt daher oft spürbar über dem vergleichbarer Justizbeamter im Innendienst.

Quereinstieg in den Gerichtsvollzieher-Beruf

Ein direkter Quereinstieg als Gerichtsvollzieher ohne die vorgeschriebene Ausbildung ist nicht möglich. Es gibt jedoch realistische Wege für Personen mit Vorerfahrung im Justiz- oder Verwaltungsbereich:

Verwaltungserfahrung

Wer bereits im öffentlichen Dienst (z.B. bei Gerichten, Behörden oder Ämtern) gearbeitet hat, kann sich auf verkürzte Ausbildungsgänge bewerben.

★★ Möglich (von Fall zu Fall)
Rechtskenntnisse

Personen mit juristischer Ausbildung (z.B. Rechtsanwaltsfachangestellte, Studium) können von verkürzten Lehrgängen profitieren.

★★★ Gut (mit einschlägiger Erfahrung)
IT-Fachkräfte / Sachbearbeitung

Sachbearbeiterstellen in der Justizverwaltung bieten einen Einstieg. Von dort ist ein Aufstieg in manchen Bundesländern möglich.

★ Eingeschränkt

Hinweis: Die Regeln zum Quereinstieg unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich. Informiere dich direkt bei der Landesjustizverwaltung oder beim Amtsgericht deines Wunschortes.

Gerichtsvollzieher-Besoldung im Bundesländer-Vergleich

Die Besoldung für Gerichtsvollzieher variiert zwischen den Bundesländern. Entscheidend sind neben dem Grundgehalt auch das Weihnachtsgeld sowie die Familienzulage (besonders für Familien mit Kindern relevant). Zusätzlich erhalten Gerichtsvollzieher die Gerichtsvollzieherzulage (100–150 €) und anteilige Vollstreckungsvergütungen.

Besonderheit Baden-Württemberg: In BW ist der Gerichtsvollzieher im gehobenen Dienst (A10–A12) angesiedelt. Der Einstieg erfolgt über ein Bachelor-Studium. Daher gelten hier andere Besoldungsgruppen als in den übrigen Bundesländern.

Legende: BW = Gehobener Dienst (ab A10) mD = Mittlerer Dienst  |  gD = Gehobener Dienst Familienzulage: ●●●●● sehr hoch  →  ●○○○○ niedrig
Bundesland Laufbahn /
Einstieg
Besoldungs­runde 2026 Familien­zulage ▲ Rechner /
Tabellen
Karriere-
Infos
★ Baden-Württemberg gD · A10 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●●○ Rechner ↗ Infos
Bayern mD · A8 +2,8 % ab Okt. 2026 ●●●●● Rechner ↗ Infos
Berlin mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●○○○ Rechner ↗ Infos
Brandenburg mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ Rechner ↗ Infos
Bremen mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Hamburg mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ Rechner ↗ Infos
Hessen mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Mecklenburg-Vorpommern mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Niedersachsen mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●●○ Rechner ↗ Infos
Nordrhein-Westfalen mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●●● Rechner ↗ Infos
Rheinland-Pfalz mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Saarland mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●○○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Sachsen mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Sachsen-Anhalt mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Schleswig-Holstein mD · A8 +3,2 % ab Jan. 2026 * ●●●○○ ↗ Tabellen ↗ Infos
Thüringen mD · A8 +2,8 % ab Apr. 2026 ●●○○○ ↗ Tabellen ↗ Infos

▲ Familienzulage-Skala bewertet den Kinderzuschlag relativ im Bundesländervergleich — insbesondere ab dem 3. Kind. mD = Mittlerer Dienst, gD = Gehobener Dienst. Genaue Bruttowerte bitte im Rechner deines Bundeslandes ermitteln, Stand März 2026.
* Schleswig-Holstein: Erhöhung orientiert sich an BVerfG-Urteil vom Nov. 2025 — abweichend vom TV-L-Pfad der anderen Länder. Verbindliche Auskünfte erteilt dein Dienstherr.

Weihnachtsgeld (Jahressonderzahlung) — drei Systeme im Überblick

Das Weihnachtsgeld ist bei Landesbeamten bundesweit nicht einheitlich geregelt — jedes Bundesland entscheidet selbst. Die Regelung gilt berufsübergreifend: Gerichtsvollzieher, Justizfachangestellte und andere Landesbeamte erhalten im selben Bundesland dieselbe Jahressonderzahlung.

Separate Einmalzahlung
  • Bayern — 65–70 % eines Monatsgehalts
  • Berlin — 900–1.550 € + 50 € je Kind
  • Mecklenburg-Vorp. — 29–40 % eines Monatsgehalts
  • Niedersachsen — 500–1.200 € + Kinderzuschläge
  • Schleswig-Holstein — 660 € + 400 € je Kind
In Monatsbezüge integriert
  • Baden-Württemberg — +4,17 % auf Grundgehalt
  • Brandenburg — integriert + 21 € monatl.
  • Hamburg — vollständig eingepreist
  • Hessen — 5 % des Grundgehalts monatlich
  • NRW — Hauptteil integriert
Kein Weihnachtsgeld
  • Sachsen — ersatzlos gestrichen 2011. Neue monatliche Sonderzahlungen eingeführt, ersetzen aber kein klassisches Weihnachtsgeld.

Hinweis: Alle Angaben sind Richtwerte, Stand März 2026. Verbindliche Auskünfte erteilt dein Dienstherr.

Häufige Fragen zum Gerichtsvollzieher 2026

Gerichtsvollzieher starten in den meisten Bundesländern in Besoldungsgruppe A8 (ca. 2.900 € brutto, Stufe 1) und erreichen in der Endstufe A10 ca. 4.300 € brutto. Netto sind in A8/Stufe 3 realistisch ca. 2.200–2.400 € — in der Endstufe A10 ca. 2.900–3.200 €, je nach Bundesland und Familienstand. Hinzu kommen Stellenzulage (ca. 100–150 € monatlich) sowie anteilige Vollstreckungsvergütungen und eine Bürokostenpauschale, sodass das tatsächliche Einkommen spürbar über dem vergleichbarer Justizbeamter im Innendienst liegt. Ausnahme Baden-Württemberg: Dort starten Gerichtsvollzieher dank Bachelor-Studium im gehobenen Dienst bei A10 und können bis A12 aufsteigen (Endstufe ca. 5.400 € brutto).
In den meisten Bundesländern dauert die duale Laufbahnausbildung im mittleren Justizdienst 2 Jahre. Voraussetzung ist in der Regel die Mittlere Reife (Realschulabschluss). Während der Ausbildung erhalten Anwärter ca. 1.400–1.500 € netto monatlich. Ausnahme Baden-Württemberg: Dort ist der Beruf vollständig akademisiert — es gibt ein 3-jähriges Bachelor-Studium (LL.B.) an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen, für das mindestens die Fachhochschulreife erforderlich ist.
Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem der Gerichtsvollzieher dem gehobenen Justizdienst angehört. Statt einer 2-jährigen Ausbildung gibt es ein 3-jähriges Bachelor-Studium (LL.B.) an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen. Der Einstieg erfolgt direkt bei A10 — in anderen Bundesländern ist A10 das Karriereziel nach vielen Dienstjahren. In BW ist ein Aufstieg bis A11 und A12 möglich, was bundesweit die höchste finanzielle Position für diesen Beruf darstellt.
Ein direkter Quereinstieg ohne die vorgeschriebene Ausbildung ist nicht möglich. Es gibt jedoch realistische Wege: Wer bereits im öffentlichen Dienst tätig war (z.B. bei Gerichten oder Behörden), kann sich in manchen Bundesländern auf verkürzte Ausbildungsgänge bewerben. Personen mit juristischer Vorbildung — etwa Rechtsanwaltsfachangestellte oder Personen mit abgebrochenem Jurastudium — können ebenfalls von verkürzten Lehrgängen profitieren. Die genauen Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich; eine Anfrage direkt bei der Landesjustizverwaltung ist empfehlenswert.
Gerichtsvollzieher erhalten neben dem Grundgehalt drei wesentliche Zusatzleistungen: eine monatliche Stellenzulage von ca. 100–150 € als Ausgleich für besondere Belastungen im Außendienst, anteilige Vollstreckungsvergütungen abhängig von der Anzahl der erledigten Vollstreckungsaufträge sowie eine Bürokostenpauschale, da Gerichtsvollzieher ihr Büro häufig selbst organisieren. Diese Zusatzleistungen führen dazu, dass das tatsächliche monatliche Einkommen oft merklich über dem vergleichbarer Justizbeamter im Innendienst liegt.

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